Das Momentum, dieses flatterhafte Ding

Eine Glosse zur Psychologie im Ryder Cup …

Wer oder was so alles mitspielt bei einem Ryder Cup, nebst den jeweils zwölf Recken auf dem Golfrasen: Die heimischen Fans als 13. Mann, ein allseits im Sport bekannter Umstand; der Head-Greenkeeper, weil er den Platz nach Maßgabe des gastgebenden Kapitäns manikürt – macht 14. Und dann ist da noch dieses ominöse Momentum, das auch in den Tagen von Gleneagles inflationär oft erwähnt wird, bei dem aber nicht wirklich feststeht, auf wessen Seite es wann und wie lange steht.

Jener unmerkliche Augenblick, der beflügelt

Kümmern wir uns also, Achtung Kalauer, einen Moment um – das Momentum. In der Physik sagt Momentum etwas über die Antriebskraft oder das Drehmoment; Psychologen definieren damit die kleinste wahrnehmbare Zeiteinheit, für Menschen rund eine Achtzehntelsekunde. Im Sport ist Momentum jener oft unmerkliche Augenblick, wenn man wieder an sich glaubt, ab dem mit einmal alles wie geschmiert läuft.

Justin Rose

Vom Momentum beflügelt: Justin Rose spielte in den Fourballs hinreißendes Golf. Credit: Rydercup.com

Vom Wortstamm her neutral, ist dieses Phänomen freilich alles andere als die Schweiz der Sport-Psychologie. Eher so was wie eine CD mit Steuersünder-Daten, also käuflich. Das Momentum lässt sich nämlich ködern. Es reagiert auf Hingabe, wie der von Graeme McDowell und Victor Dubuisson oder Lee Westwood und Jamie Donaldson in ihren famosen Foursomes, dann verschenkt es seine Gunst sogar solidarisch, befeuert ein ganzes Team.

Unsicherer Kantonist, der gern die Seite wechselt

Das Momentum ist gleichwohl ein ziemlicher Opportunist, will gehegt und gepflegt werden, bevorzugt mit weiteren Erfolgen. Siehe Justin Roses makelloses Spiel von „sheer brilliance“ (O-Ton Sky Sports) in den Fourballs, besonders am Samstag. Da verweilte auch das Momentum staunend. Aber es ist wankelmütig und unbeständig, lässt sich ablenken, wechselt gern das Lager.

Jamie Donaldson

Jamie Donaldson am Tee: Bei so viel Hingabe stellt sich auch das Momentum gern ein. Credit: Rydercup.com

Bei den Europäer gab es sonst nichts zu feiern, von Ian Poulters spät gelochtem Chip an der 15 im halbierten letzten „Besserball“ mal abgesehen. Aber da war das Momentum schon längst zu den Amis rüber gewandert und sorgte dort für Dominanz, so wie schon am Freitag zur gleichen Stunde. Ein unsicherer Kantonist halt, um bei der eidgenössischen Metapher zu bleiben.

Später dann flanierte das launische, flatterhafte Ding erneut über die Fairways des Centenary Course, schaute hier und da bei einem der Matches rein. Und blieb auch an diesem Foursome-Nachmittag bei den Europäern. Mal sehen, wer es morgen zu beschwören und fesseln weiß: Ein Hoch aufs Momentum!

 

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