Der „Jahrhundertgolfer“ macht sein Dreiviertel komplett

Jack Nicklaus zum 75. …

„Du musst eine Sache lieben und die Leidenschaft haben, um dem mit aller notwendigen Disziplin nachzugehen. Die Sache, der ich mich vollständig und ausschließlich verschrieben habe, war Golf!“: Eine Reminiszenz an den „Jahrhundertgolfer“ Jack Nicklaus.

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Jack „The Golden Bear“ Nicklaus und seine Symbolfigur: Die Meriten des seit heute 75-Jährigen sind Legion …

 

Bestmarke für Generationen

Zwischen 1962 und 1986 gewann Jack Nicklaus sagenhafte und scheinbar unerreichbare 18 Majors, eine Bestmarke, an der sich zuvorderst Tiger Woods („Jack Nicklaus ist einfach der beste Golfer aller Zeiten“) und vermutlich noch ganze Generationen von Golfern die Schlagflächen ihrer Driver abwetzen. Seit 2008, als er mit der US Open in Torrey Pines das 14. und bislang letzte Major gewann, jagt der Herausforderer Woods (im Bild beim Presidents Cup) diesen Rekord. 19 zweite und neun dritte Plätze komplettieren übrigens Nicklaus‘ phänomenale Major-Bilanz.

 

Mit seinen sechs Masters-Triumphen, fünf PGA Championships, vier US-Open-Titeln und drei Open Championships (im Bild mit Ehefrau Barbara beim Erfolg 1970 auf dem Old Course von St. Andrews) komplettierte der von zahlreichen Medien und auch der PGA Tour als solcher gekürte „Golfer des Jahrhunderts“ drei Mal den Karriere-Grand-Slam.

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Der „echte“ aber, die vier Majors binnen einer Saison, blieb selbst ihm verwehrt. Am nächsten dran war er wohl 1972, als er das Masters und die US Open auf den Pebble Beach Golf Links gewann, bei der Open in Muirfield indes nur Zweiter hinter Lee Trevino wurde, die PGA Championship in Oakland Hills allerdings auch als geteilter 13. beendete.

Majors am Anfang und am Ende

Überhaupt hat Nicklaus‘ Erfolgsbilanz eine erstaunliche Note: Sein erster von 73 Siegen auf der PGA Tour war direkt ein Major, die US Open 1962. Ebenso wie sein letzter Erfolg auf der regulären Tour, das Masters 1986. Jack Nicklaus gewann in Augusta bislang einzigartige sechs Mal. Von 1960 bis 1983 markierte er bei den Majors überdies mindestens einen Top-Ten-Platz pro Jahr, auch das ist Rekord.

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Auf der heutigen Champions Tour gewann er zwischen 1990 und 1999 ebenfalls alle Majors seiner Ägide, insgesamt acht Mal. Nebenbei: Die British Senior Open war damals nicht dabei, sie wurde erst 2003 zum Major deklariert. Das Bild zeigt die „Godfathers of Golf“, Arnold Palmer, Jack Nicklaus und Gary Player (v. l.) als Ehrenstarter beim Masters 2014.

Rütteln an Hierarchien

Ein Apothekersohn aus dem Vorort Upper Arlington von Columbus/Ohio erobert mit Babyface und sehr runden Hüften die Golfwelt: Jack William Nicklaus, Jahrgang 1940, der den Spitznamen von seinen Highschool-Sportteams „The Golden Bears“ entlehnte und auch ein Faible für Football hatte, gewann zwei US-Amateurs (1959 und 1961) bevor er Ende ’61 ins Profilager wechselte. Widerwillig übrigens, denn er und sein Vater Charles verehrten die Ideale des überzeugten Amateurs Bobby Jones.

 

Amerikas Idol damals hieß Arnold Palmer. Und die Erfolge des pummeligen und als „Fat Jack“ verhöhnten Nicklaus, der sich anfangs als Versicherungsvertreter über Wasser hielt, grenzten für die als „Arnie‘s Army“ bekannten Palmer-Fans fast an Majestätsbeleidigung.

Die Wachablösung

1962 ist es soweit, Nicklaus stößt Arnold „The King“ Palmer vom Thron. Beim 18-Loch-Stechen um die US Open besiegt der Mann mit deutschen Vorfahren den Bullen aus Pennsylvania ausgerechnet bei dessen Heimspiel in Oakmont 71 gegenüber 74 Schlägen.

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Nicklaus ließ sich dabei auch von allerlei Fisimatenten der Zuschauer zugunsten des Lokalmatadoren Palmer nicht aus dem Konzept bringen. „Arnie‘s Army“, so hat es Ian O’Connor in seinem Buch „Arnie & Jack“ notiert, soll rund um die Grüns sogar versucht haben, mit Trampeln den Boden und damit Nicklaus‘ Putts zu erschüttern.

1965 dann musste Palmer als abgelöster Masters-Champion dem Rivalen auch noch in dessen zweites „Green Jacket“ helfen. Im Folgejahr gelang Nicklaus als erstem Golfer die Titelverteidigung in Augusta.

Der Beginn einer Ära

Auch wenn Palmer noch all seine PGA Championships (1964, 1968, 1970) gewinnen sollte, die Ära des Jack Nicklaus war gekommen. Und es währte, ungeachtet der neun Majors eines Gary Player oder der acht von Tom Watson, mehr als 25 Jahre. Nicklaus avancierte zum erfolgreichsten Golfer aller Zeiten.

Aus der Rivalität der beiden US-Heroen Palmer und Nicklaus indes wurde schnell freundschaftliche Wertschätzung: „Arnold hat mich immer gut behandelt“, erinnert sich Jack Nicklaus an die frühen Begegnungen mit dem elf Jahre älteren Widerpart.

Lang und gerade

Jack Nicklaus spielte einen gepflegten Drive. Seine Schwungtempo war hoch, seine Abschlage flogen lang und gerade, auch wenn er den Fade bevorzugte.

 

1963 gewann er mit 312 Metern den „Long Drive Contest“ bei der PGA Championship. Die Marke hatte über 20 Jahre lang Bestand. Und „The Golden Bear“ wusste auf dem Platz stets, wo‘s lang ging: Als erster dokumentierte er systematisch Distanzen und Anspielpunkte und gilt damit als Begründer der „Yardage Books“.

Legendäres Duell

1977 in Turnberry nützte ihm all dies jedoch nichts: Die British-Open-Finalrunde mit Tom Watson (Bild, r.) gilt als feinstes Stück Turniergolf, für Nicklaus war das berühmt gewordene „Duel in the Sun“ eine herbe Niederlage.

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Er führte nach vier Löchern mit drei Schlägen, nach zwölf mit zwei, und nach Loch 17 lag er einen zurück. Auf der 18 verzog Nicklaus den Drive, die Annäherung fiel zu kurz aus, aber er verwandelte den Elf-Meter-Putt zum Birdie. Doch Watson konterte mit dem siebten Schlaggewinn, vermied das Play-off und gewann seine zweite von insgesamt fünf Open.

Faire Geste

In der an besonderen Momenten nicht armen Vita des „Goldenen Bären“ bleibt eine Geste unvergesslich: Der geschenkte Putt bei Nicklaus‘ erstem Ryder Cup 1969 im englischen Royal Birkdale. Der US-Rookie wollte all die vorherigen Nickeligkeiten zwischen beiden Teams ausgleichen und schenkte seinem Gegner Tony Jacklin auf dem 18. Grün einen kritischen Putt. Damit teilte Nicklaus das Match und auch das gesamte Kontinentalduell zum Stand von 16:16.

 

Den Moment verewigte der „goldene Bär“ 37 Jahre später mit dem Bau des privaten Concession Golf Clubs in Bradenton/Florida: Das Design des Platzes entstand in Zusammenarbeit mit Jacklin. „Unser Ansinnen war es, mit diesem Projekt das Wesen des Spiels und seine Werte zu verkörpern“, sagte der Engländer bei der Eröffnung 2006.

Ryder Cup

Weil die USA 1969 als Titelverteidiger den Pokal wieder mitnehmen durften, hielt sich der Schmerz über Nicklaus‘ viel diskutiertes Zugeständnis in Grenzen. Er spielte mit dem US-Team insgesamt sechs Ryder-Cup-Wettbewerbe und gewann die weiteren fünf.

 

Zwei Mal führte er die amerikanische Equipe als Kapitän an, siegte 1983, aber verlor 1987  mit 13:15, ausgerechnet gegen Tony Jacklin als Europas Kapitän (Bild oben) und, schlimmer noch, auf seinem eigenen Platz im Muirfield Village Golf Club in Ohio.

Nicklaus gab überdies 1977 den Anstoß für die Zulassung der Kontinental-Europäer zum Ryder Cup., weil er nach der Niederlagenserie des british-irischen Teams seit 1959 um die Attraktivität des Wettbewerbs fürchtete.

Er ist übrigens auch der einzige Designer der Welt, der einen Platz kreierte – Muirfield Village eben –, auf dem bereits alle drei großen Team-Duelle, der Ryder Cup (1987), der Solheim Cup (1998) und der Presidents Cup (2013), gastierten.

Die Sensation von 1986

Dank einer fulminanten 65er-Schlussrunde mit sechs Birdies und einem Eagle auf den letzten zehn Löchern gewann Nicklaus mit dem ältesten Sohn Jack an der Tasche 1986 im Augusta National Golf Club sein sechstes Masters und 18. Major. Es war gleichzeitig der letzte Sieg auf der PGA Tour.

 

Von den Medien im Vorfeld mit Vokabeln wie „durch, ausgelaugt und fertig“ schon abgeschrieben (Tom McCollister im Atlanta Journal), ließ er sich im Alter von 46 Jahren und 82 Tagen als bis heute spätberufenster Masters-Champion von Bernhard Langer ins grüne Sakko helfen.

Der Golfplatz-Architekt

Mit Nicklaus Design haben der „Goldene Bär“ und seine Entourage mittlerweile 377 Kurse in 34 Ländern konzipiert oder renoviert und ist damit absoluter Branchen-Primus. Bei 241 Projekten, so heißt es, war der große Mann persönlich planend und beratend tätig.

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Allein 100 Kurse gehören zum Œvre des Jack Nicklaus, auf denen bereits Profiturniere in Szene gesetzt wurden, über 750, um genauer zu sein. Sagt jedenfalls die Webseite von Nicklaus Design. Fast zwei Dutzend Plätze sind regelmäßige Stationen der verschiedenen Golf-Circuits. In dieser Saison beispielsweise der Champion Course im PGA National Resort & Spa von Palm Beach Gardens/Florida (The Honda Classic), die Harbour Town Golf Links auf Hilton Head Island (RBC Heritage) und natürlich Muirfield (The Memorial) auf der PGA Tour. Auch Lake Malaren, Bühne des BMW Masters, einem der Finalturniere im Race to Dubai, ist ein Nicklaus Legacy Course.

Family-Business

Das Imperium des Jack Nicklaus ruht auf den Schultern der Familie, seit der Clanchef Mitte der 1960er-Jahre als „Sidekick“ von Pete Dye an „The Golf Club“ in heimischen Columbus mitwirkte. Die vier Söhne Jack II, Steven, Gary und Michael sind mittlerweile ebenso Golfplatz-Architekten wie Bill O‘Leary, der Ehemann von Tochter Nancy. Nicklaus ist seit 1960 mit seiner Jugendliebe Barbara, geborene Bash, verheiratet.

 

Ohnehin ist der 22-fache Großvater – Enkel Jake, Sohn von Steve Nicklaus, ertrank allerdings 2005 im Alter von 17 Monaten trotz der Aufsicht durch ein Kindermädchen in einem Whirpool – ein ausgemachter Familienmensch. Bei allem Golf-Engagement habe ihr Mann „stets eine beeindruckende Balance hingekriegt“, lobt Barbara Nicklaus. „Die Familie kam immer als Erstes! Er war auch für die Kinder stets präsent. Vor langer Zeit hat er mal versprochen, nie länger als 14 Tage von zuhause weg zu sein. Und dieses Versprechen hat er in all den Jahren nur einmal nicht einhalten können, als er auf einem 17-Tage-Trip in Südafrika war.“

Das eigene Turnier

Mit dem Memorial Tournament in Muirfield Village/Ohio eifert Jack Nicklaus seit 1976 seinem Idol Bobby Jones und dem Masters in Augusta nach : Das eigene Turnier auf dem eigenen Golfplatz.

 

1966 erwarb er das Gelände, baute sich bis 1974 seinen idealen Kurs und entwickelte das umliegende Resort-Dorf, das Nicklaus nach seinem ersten British-Open-Sieg 1966 auf den Links von Muirfield benannte. Er selbst gewann das Memorial zwei Mal. Das Bild zeigt Nicklaus mit dem 2014er-Sieger Hideki Matsuyama.

Golf ist nicht gleich Golf

Nicklaus vermisst das Turniergolf. Und seine Spielqualität in Turniergüte sowieso. Das ist dieser Tage allenthalben zu lesen. Hobbyrunden mit den „Buddies“ sind nicht wirklich sein Ding: „Ich gebe ihnen acht Schläge vor, wir haben ein schönes Spiel, am Ende wechseln ein paar 20-Dollar-Scheine den Besitzer – das ist alles nett, aber das kann eine US Open oder ein Masters oder eine PGA Championship nicht ersetzen.“ Der hochklassige Wettkampf sei von jeher seine Motivation gewesen, „aber wenn Du den Zugang zu dem verlierst, was Dich mehr als alles andere begeistert, dann verlierst Du auch Deinen Enthusiasmus für das Spiel.“

 

Seinen Geburtstag begeht der Jubilar im eigenen „The Bear’s Club“ in Jupiter/Florida. Mit einer Enkelin und der Tochter des Clubmanagers, die ebenfalls an diesem 21. Januar Geburtstag haben. Rauschende Festivitäten sind nicht geplant, Nicklaus hofft vielmehr auf „eine ruhige“ Feier. Herzlichen Glückwunsch!

Der US-Golfverband USGA ehrt den erfolgreichsten Golfer aller Zeiten via Fox Sports mit einer Hommage, hier der Trailer von „Nicklaus: The Making of a Champion“:

 

(Dieser Text erschien in verkürzter Fassung bereits auf Golf Post – Das deutsche Online Golf-Magazin)

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