Rottaler Tagebuch: Glückwunsch an Königin Josefine

Als Medialer bei der Porsche European Open in Bad Griesbach, Teil drei … 

Mein Taxifahrer ist schier aus dem Häuschen wegen dieses internationalen Golfturniers in seinem beschaulichen Kurort: „Paaascht scho‘!“ Kommt mir bekannt vor. Nicht, dass er noch vergnügt mit den Fäusten auf dem Lenkrad trommelt. Aber tatsächlich: „Finde ich richtig gut, so ‘was ist wichtig für Bad Griesbach. Wenn sich das etabliert hat, wird es noch eine Menge Leute mehr anziehen.“ Geht doch. Und: „Hier gibt‘s schon jetzt einige Gäste, die richtig Geld auf den Kopf hauen.“ Asche auf mein Journalistenhaupt, dass ich nicht „wer, wo, wie?“ nachgehakt habe.

Bernhard Langer ist unverzichtbar

Dafür bestätigt Dominik Senn die positive Einschätzung. „Ich bin sehr zufrieden mit dem Relaunch der Porsche European Open und es war ein gelungener Auftakt“, diktierte der Turnierdirektor und Chef des Sportvermarkters „4Sports“ bei seiner Bilanz-Pressekonferenz den Medienleuten in die Notizblöcke.

Mit rund 25.000 Besuchern insgesamt liegt man über den Erwartungen. Weil vorsichtshalber keine formuliert wurden. Mindestens 24.500 Zuschauer oder so kamen ohnehin ausschließlich Bernhard Langers wegen. Als Beleg mag folgender aufgeschnappter Dialog gelten: „Geht‘s Ihr scho‘?“ „Jo, Langer is ja durch!“

Luft nach oben im Spielerfeld

Der „ewige Anhausener“ (Süddeutsche Zeitung) will gottlob auch in den kommenden zwei Jahren als Zugpferd „antraben“, sofern Bruder Erwin sein US-Kalender das zulässt. „Langer ist ausschlaggebend für dieses Turnier“, sagt auch Direktor Senn. Ohnehin sei noch Luft nach oben im Spielerfeld. Sogar am Preisgeld von zwei Millionen Euro wollen sie schrauben, halt gern den ebenso dotierten Mitbewerber BMW Open ein bisschen kitzeln.

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Eine Art Heimsieg von Thongchai Jaidee

Übrigens: Letztlich gab‘s sogar eine Art Heimsieg, dank des Coachs von Gewinner Thongchai Jaidee (Thailand). Peter Wolfenstetter ist nämlich gebürtig aus Reit im Winkl, folglich Bayer, und führt aktuell die Golfschule im GC Straubing.

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Der Titelsponsor hat eine Menge Fuhrpark aufgeboten, um sich vollumfänglich zu präsentieren: Ausstellungsstücke im „Public Village“, die schwarze Armada der „Courtesy Cars“ für Spieler und VIPs, nicht zuletzt „Unsere Driving Range“ mit Testautos für das persönliche Fahrerlebnis automobilinteressierter Turnierbesucher.

Ass am falschen Loch

IMG_5642Auch das 911-Carrera-Cabriolet, das auf der 17 für ein Hole-in-one ausgelobt war, kommt wieder in die Porsche-Garage. Es fiel nur ein Ass bei dieser European Open, und das am falschen Loch. Der Däne Lasse Jensen versenkte seinen Ball am Samstag auf der Zwei per Eisen sechs über 170 Meter.

Die Zuffenhausener freilich ließen sich nicht lumpen und spendierten ein Zweirad aus der hauseigenen Edel-Bike-Kollektion. Auf der Finalrunde, kündigte Jensen bei der Übergabe an, wolle er am richtigen Loch treffen und werde den einen Boliden anschließend in den anderen packen und im Porsche nach Hause fahren. Nun ist er doch heim geradelt…

Lasse Jensen

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In Sachen Zuschauer-Attitüde liegt die Porsche European Open klar „Eins auf“. Will heißen: Bei der BMW Open ist die Schickeria-Quote und das Aufkommen von Handtaschen mit dem einprägsamen Signet eines Luxuswaren-Verkäufers vergleichsweise höher, hier wie da indes sind nicht alle echt, weder schicke Menschen noch Accessoires. Aber in Bad Griesbach ging‘s grundsätzlich wohltuend kerniger und lockerer zu, Ausnahmen bestätigen die Regel:

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Wenn einer zu einem Turnier kommt, das seinen Platz auf der European Tour neu finden will, und im Vorfeld mit Hinblick auf mentale Probleme und Knoten im Schwung sagt: „Schwächer besetzte Turniere sind gut, um Selbstbewusstsein zu tanken“, so klingt das beim ersten Hinhören ein bisschen arrogant. Wenn derjenige schließlich mit elf Schlägen Rückstand auf den Sieger geteilter 36. wird, wäre sogar etwas Schadenfreude verzeihlich. Es sei denn, beim Betreffenden handelt es sich um Graeme McDowell, der jedweder Art von Überheblichkeit völlig unverdächtig ist. „G-Mac“ und seine Entourage sind schlichtweg auf der Suche nach der Form des US-Open-Champions von 2010.

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Im niederbayerischen Bäderdreieck spielte der Nordire erstmals seit zwei Jahren wieder alle vier Runden eines Turniers unter Par, sorgte an Tag zwei für den Schlag der Woche (siehe Video) und notierte 17 Birdies auf dem Weg zu seinem Gesamtscore von -6. 13.200 Euro Preisgeld gab‘s auch noch.

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Damit enden die Notizen aus der Golfprovinz. Für dieses Jahr. Stopp, ein Glückwunsch steht noch aus: Gratulation an Josefine Schlumberger! Die junge Dame aus dem badischen Sulzburg-Laufen wurde vergangenen Freitag als Deutsche Weinkönigin gekrönt.

Reverenz an die Reben-Regentin

Wenn der SWR sonntags zuvor sogar wegen des Vorentscheids zur Wahl der Reben-Regentin die TV-Übertragung vom Solheim Cup mitten in der heißen Phase abschaltet, kurz vor Paula Creamers entscheidendem Punkt gegen Sandra Gal, dann wollen wir der Bedeutung auch an dieser Stelle der Rechnung tragen: Reverenz, Euer Hoheit!

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