Ein konstruiertes Stürmchen

Zur Causa Muirfield …

Es wurden dieser Tage allerhand Abhandlungen über den Anti-Frauen-Mitgliederentscheid der Honourable Company of Edinburgh Golfers und die daraus resultierende Verbannung des Linkskurses in Muirfield von der Open-Rota publiziert, viele davon schön-schaurige Beispiele für kalkulierte journalistische Desinformation, bewusste Ritte auf der Welle exaltierter Empörung – oder schlichtweg in Ahnungslosigkeit und unzureichender Fachkenntnis dahin geklöppelt.

Die Neue Zürcher Zeitung sei beispielhaft genannt, die ihren Beitrag auf Facebook hübsch plakativ-populistisch anpries: „Die Frauen dürfen in Muirfield weiterhin auf der Veranda sitzen, am Tee nippen und den schwitzenden Gatten zuwinken.“

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Nein, NZZ und Co.: Die Frauen dürfen in Muirfield auch selbst schwitzen. Nur weil der HCEG-Männerzirkel als Hausherr des Platzes gegen die Aufnahme von Frauen gestimmt hat, bedeutet dies keineswegs, dass der Weiblichkeit die Links nicht zugänglich sind. So sehr das gleichwohl in feministischen Furor und Gleichstellungsgrammatik passen mag.

Golfende Ladies keineswegs ausgesperrt

Zugegeben: Der neue R&A-Chef Martin Slumbers rührte den Schlick im Kübel der Unkenntnis auch noch kräftig auf, als er sagte: „Wir werden die Meisterschaft nicht an einem Schauplatz austragen, der es ablehnt, weibliche Mitglieder aufzunehmen.“ Damit suggerierte der einstige Investmentbanker, die fehlende Mitgliedschaft komme der sportlichen Aussperrung gleich.

Quatsch! Auf den Muirfield Golf Links gibt es von jeher golfende Damen, es war ihnen nie verboten, an den Besucher-Tagen kann dort jedermann und jedefrau Bälle schlagen, die Spouses der Clubmitglieder überdies grundsätzlich kostenfrei. Eine nette Randnotiz, denn die Ladies wollen dem Club der golfenden Gatten gar nicht angehören, ihr Spiel auf Muirfields Fairways würde sie mit einem Mal Geld kosten, in Form des Jahresbeitrags, wer will sich schon verschlechtern…

Sogar Damen-Umkleiden im Clubhaus

Und man mag es kaum glauben, die Golferinnen müssen sich weder auf dem Parkplatz entblößen, noch hinterm Auto frisch machen. Im Clubhaus hat‘s sogar Damen-Umkleiden, so chauvinistisch ist ist die „ehrbare Gesellschaft“ denn doch nicht.

Also, werte Kollegen, erst schlau machen, dann Schlagzeilen raushauen! Der so oft zitierte „Muirfield Golf Club“ existiert übrigens auch nicht.

Staatsaffäre um ein paar Betonköpfe

Das ganze Ballyhoo hat letztlich mit Golf überhaupt nichts zu tun. Es geht um die Struktur eines antiquierten Clubgefüges, um die Interna einer privaten Herrenrunde, wen interessiert das eigentlich? Läuft hierzulande jemand Sturm gegen rein männliche Kegelclubs und deren Umtriebe? Aber die richten halt auch nicht das älteste Major der Welt aus…

Muirfield Golf Links

Die „Edinburgh Golfers“ haben dem Spiel 1744 seine ersten verbindlichen, weil schriftlich fixierten Regeln beschert, 13 an der Zahl, darüber hinaus 22 Mal The Open Championship, das älteste Major der Welt, ausgetragen, sechs Auflagen in Musselburgh, 16 in Muirfield, that‘s it!

Jetzt wird aus dem Abstimmungsmalheur einiger ewig gestriger Betonköpfe fast eine Staatsaffäre, die halbe Welt kreischt hysterisch auf und schwenkt das Banner der gesellschaftlichen Korrektheit, der R&A als Open-Träger und -Veranstalter beugt sich endlich dem öffentlichen Druck der Gender-Debatte, Muirfield wird aus der Rota radiert. Was für ein konstruiertes Stürmchen! Im Wasserglas zudem.

Und was ist mit Royal Troon?

Warum nicht auch und schon längst der diesjährige Ausrichter Royal Troon? Das brisante Thema All-Male-Clubs kocht seit Jahren, genug Zeit, für 2016 eine Alternativ-Schauplatz einzuschieben. Das an Muirfield so donnernd statuierte Exempel ist eine Alibi-Nummer, mehr nicht. So wie der Umgang des R&A mit Politpöbler Donald Trump und dessen Turnberry.

2013 ging in Gullane an Schottlands Ostküste die vorerst letzte Open über die Bühne, Phil Mickelson machte sich damals zum „Champion Golfer of the Year“, vor Mitte der 2020er-Jahre wäre man mit Muirfield ohnehin nicht mehr an der Reihe. Bis dahin fließt eine Menge Wasser durch den Firth of Forth und wird garantiert auch die Mitgliedschaftsrichtlinien der „Ehrbaren Golfgesellschaft“ weich spülen. Wetten, dass..? Wofür also das ganze Getöse? Für die Galerie!

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