Ein konstruiertes Stürmchen

Zur Causa Muirfield …

Es wurden dieser Tage allerhand Abhandlungen über den Anti-Frauen-Mitgliederentscheid der Honourable Company of Edinburgh Golfers und die daraus resultierende Verbannung des Linkskurses in Muirfield von der Open-Rota publiziert, viele davon schön-schaurige Beispiele für kalkulierte journalistische Desinformation, bewusste Ritte auf der Welle exaltierter Empörung – oder schlichtweg in Ahnungslosigkeit und unzureichender Fachkenntnis dahin geklöppelt.

Die Neue Zürcher Zeitung sei beispielhaft genannt, die ihren Beitrag auf Facebook hübsch plakativ-populistisch anpries: „Die Frauen dürfen in Muirfield weiterhin auf der Veranda sitzen, am Tee nippen und den schwitzenden Gatten zuwinken.“

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Linksgolf: Wie die Altvorderen das Spiel definierten

Alfred Dunhill Links Championship: Golf auf geschichtsträchtigen Schauplätzen …

Hier an Schottlands Ostküste hat wahrscheinlich alles angefangen: Irgendwo nördlich der Hauptstadt Edinburgh, auf dem Boden der Grafschaften Fife und Angus, wo an diesem Wochenende in St. Andrews, Carnoustie und Kingsbarns die Alfred Dunhill Links Championship gespielt wird. Irgendwann vor knapp 600 Jahren, als der Müßiggang mit Schläger und Ball auf den Links, den unfruchtbaren Streifen zwischen Küstenlinie und Ackerland, begann, sich zu dem zu entwickeln, was wir heute Golf nennen.

Alte Plätze sind das Fundament des Golfsports

Die alten Plätze wie der legendäre Old Course von St. Andrews oder die Links von Carnoustie sind das Fundament des Golfsports, die Stammzellen für das Wesen des Spiels. Ihre Entstehung verbindet sich mit den ganz großen, fast mythischen Namen aus der grauen Golf-Vorzeit: Old Tom Morris, der 1867 die zehn Bahnen rund um Carnousties berühmten Wasserlauf Barry Burn auf 18 Loch erweiterte und bis 1903 als „Custodian of the Links“ in St. Andrews über den Old Course wachte; James Braid, der 1926 in Carnoustie noch mal bauen ließ; Alister MacKenzie, der spätere Schöpfer von Augusta, der Old Toms Werk auf dem Old Course ab 1924 fortsetzte.

Kingsbarns

Linksgolf auf Kingsbarns: Das beste, was dieses Spiel zu bieten hat. Foto: MiB

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Alte Fürze, Clownsköpfe und ’ne Montecristo zum Rioja

Was vom ersten Open-Tage übrig blieb …

Vor einiger Zeit hat Sandy Lyle, der Open-Champion von 1985, dem schottischen Landsmann und Senior-Tour-Debütanten Colin Montgomerie dringend angeraten, die Altherren-Runden nicht auf die leichte Schulter zu nehmen: „Eine Menge der ,old farts‘ beherrschen das Spiel immer noch!“ In Muirfield ist Lyle nicht vorne dabei. Montgomerie, der zwischen 1993 und 2005 bislang unerreichte acht Mal Europas Golf-Geldadel angeführt hat, blieb schon in der Qualifikation hängen. Aber ein paar andere „alte Fürze“ ließen‘s während der ersten Runde richtig krachen. Begünstigt von einem sonnengedörrten und sowieso gutgereiften 124 Jahre alten Platz, auf dem die endlos lang ausrollenden Bälle den Schlaglängen-Nachteil der fortgeschrittenen Golf-Reife eliminieren. Und sie wissen halt, wie man Linksgolf spielt!

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„Die schrullige, aber liebenswerte Tante“

In Muirfield findet die 142. Open Championship statt …

Der Wind ist eigentlich immer im Spiel. Das Wasser als Kulisse sowieso. Oft auch als Niederschlag. Auf dem spröden Sandboden springen die Bälle Trampolin zwischen Ginster und Rispengräsern. Flach schlagen ist ein Muss, hoch gewinnen vor allem eine Frage der Witterung. „Links golf“, sagt der britische Autor David Worley, „is real golf.“ Das muss man nicht übersetzen.

Es ist Open-Championship-Woche. Die weltbesten Professionals und ihre Entourage gastieren auf dem Boden, auf dem das Spiel entstand; spielen Golf, wie es ursprünglich gemeint war. Im Ausland hat sich auch The British Open eingebürgert: Das älteste Golfturnier der Welt, im Kalender das dritte der insgesamt vier Majors eines Jahres, das einzige davon in Europa, „die schrullige, aber liebenswerte Tante“, wie der US-Kolumnist Rick Reilly es nennt – und bei den Golfpuristen das Turnier schlechthin. Weil Linkskurse für sie eh die einzig wahren Golfplätze sind.

The Claret Jug: Als Siegertrophäe der Open die begehrteste Kanne der Welt. _ _ _ Quelle: http://www.facebook.com/kylephillipsgolfcoursedesign

The Claret Jug: Als Siegertrophäe der Open die begehrteste Kanne der Welt.

Seit 1860 wird The Open Championship gespielt, zuerst nur in Schottland, ab 1894 auch auf englischem Boden, immer mit dem Finaltag am dritten Juli-Sonntag. Heuer zum 142. Mal. Neun Plätze alternieren mittlerweile als Gastgeber der Open. Klangvolle, legendäre Namen allesamt. Diesmal ist Muirfield dran auf dieser sogenannten Rota: 1891 vom Golf-Gründervater Old Tom Morris auf dem Gelände einer Pferderennbahn angelegt, im Jahr drauf schon erstmals Gastgeber und heuer zum 16. Mal. Platz drei nimmt das „Feld am Meer“, am Firth of Forth, 73 Kilometer westlich von Edinburgh, damit hinter St. Andrews (28) und Prestwick (24) auf der Rota ein.

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