Rottaler Tagebuch: „Alter“ Zopf und neuer Glanz

Als Medialer bei der Porsche European Open in Bad Griesbach, Teil zwei … 

Zopf und Zigarre, Embonpoint und Maßschuhe: Ja sicher, da braucht‘s nicht mal ein Gesicht: Miguel Ángel Jiménez! Den „interessantesten Golfer der Welt“ nennen ihn die einen, einen Dandy-Golfer die anderen. Wie auch immer, Jiménez mit seiner Leidenschaft für Cohiba, Rioja und Ferrari ist, ohne Frage, ein gepflegter Anachronismus.

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Man kann geteilter Meinung über den Hedonismus sein, mit dem er sich – gewiss sehr bewusst – auf Fairways und Grüns selbst inszeniert. Aber er tut es stilvoll; mir persönlich ist das allemal lieber, als all die ebenso schreiend bunten wie hässlichen „Plünnen“, die neuerdings als „Must-Have-Outfit“ zur Schau getragen werden. Und der 51-Jährige spielt trotz Bäuchleins (Embonpoint) und Lebemann-Attitüde immer noch verdammt gut Golf. Als zweitbester Iberer in der Weltrangliste (Platz 64) bildet er momentan mit Sergio Garcia Spaniens Olympia-Golfteam. Weiterlesen

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Lee Westwood und die diametrale Duplizität

Was vom dritten Open-Tage übrig blieb …

Am Sonntag vor drei Wochen hat der Schotte Andy Murray auf Englands erlauchtem Tennis-Rasen den Gold-Pokal von Wimbledon gewonnen. Als erster Brite seit Fred Perry 1936 übrigens. Heute, drei Wochen später, in Muirfield hat‘s der Engländer Lee Westwood in der Hand, auf schottischem Boden den silbernen Claret Jug als Siegertrophäe der Open Championship zu gewinnen.

Lee Westwood: Erster englischer Open-Sieger seit 1992 und  Nick Faldos Nachfolger in Muirfield?

Lee Westwood: Erster englischer Open-Sieger seit 1992 und Nick Faldos Nachfolger in Muirfield?

Das wär‘n Ding! Eine diametrale Duplizität der Ereignisse quasi. Nektar und Ambrosia, Myrrhe und Chrisam für das Selbstverständnis der britischen Sportseele. Christopher Froome nicht zu vergessen, der heute Nachmittag in Paris als Tour-de-France-Sieger und Nachfolger des Volkshelden Bradley Wiggins vom Rad steigt.

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Muirfield, das schöne Biest: Linksgolf at its best

Was vom zweiten Open-Tage übrig blieb …

Es gibt Leute, die wundern sich über den Zustand des Platzes. Manche wollen sogar Regen herbeireden, damit die Bälle auf dem Turf nicht so umeinander springen. Regen gehört ja angeblich beim britischen Klima zwingend dazu. Noch‘n Klischee. So eins wie Golf als Sport für Reiche, Alte oder Frischoperierte. Oder alles gleich in Einem.

Herrschaften, das ist Linksgolf! Im schottischen Sommer. Mitte Juli!

Sommer in Schottland: Der Open-Schauplatz Muirfield vor den alten Sandstein-Häusern von Gullane.

Sommer in Schottland: Der Open-Schauplatz Muirfield vor den alten Sandstein-Häusern von Gullane.

Noch weniger Niederschlag hat‘s im Bezirk Gullane nur zu Februar und von April bis Juni. Vergessen wir mal doppelreihige Fairway-Bewässerungen, Versenkregner und all den Schnickschnack, der „moderne“ Golfplätze zu den eigentlichen Anachronismen macht. Bloß, weil sich die Bahnen anfühlen sollen wie der Flokati daheim im Wohnzimmer. In Sattgrün bitte sehr!

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Alte Fürze, Clownsköpfe und ’ne Montecristo zum Rioja

Was vom ersten Open-Tage übrig blieb …

Vor einiger Zeit hat Sandy Lyle, der Open-Champion von 1985, dem schottischen Landsmann und Senior-Tour-Debütanten Colin Montgomerie dringend angeraten, die Altherren-Runden nicht auf die leichte Schulter zu nehmen: „Eine Menge der ,old farts‘ beherrschen das Spiel immer noch!“ In Muirfield ist Lyle nicht vorne dabei. Montgomerie, der zwischen 1993 und 2005 bislang unerreichte acht Mal Europas Golf-Geldadel angeführt hat, blieb schon in der Qualifikation hängen. Aber ein paar andere „alte Fürze“ ließen‘s während der ersten Runde richtig krachen. Begünstigt von einem sonnengedörrten und sowieso gutgereiften 124 Jahre alten Platz, auf dem die endlos lang ausrollenden Bälle den Schlaglängen-Nachteil der fortgeschrittenen Golf-Reife eliminieren. Und sie wissen halt, wie man Linksgolf spielt!

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